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Macau und Hong Kong
Themen: casino, china, hongkong, macau, peking, portugal, timeout
Als uns Roberto am Mittag am Flughafen abholte war schnell klar was wir am Nachmittag unternehmen wollten: Ein Besuch Macaus - also los, Gepäck im Hotel deponieren und ab aufs Schiff!
Macau
Macau? Hand aufs Herz, schon mal davon gehört? Ich zumindest muss gestehen: das erste Mal hörte bzw. las ich davon als ich den Reiseführer für Hong Kong gekauft hab, da stehts nämlich auf der Titelseite draufgeschrieben. Beim Überlesen der Buchstaben (etwas kleiner als die von Hong Kong) kurz ein Innehalten - wird aber wohl ein bedeutender Stadtteil von Hong Kong sein, oder so was in der Art - auf nach Hong Kong also.
Fehlanzeige: Macau war eine portugiesische Kolonie, mit 442 Jahren war sie die älteste und mit der Rückgabe an China per Ende 1999 auch die letzte Kolonie einer europäischen Macht. Heute nimmt Macau eine vergleichbare Stellung wie Hong Kong ein - auch diese Stadt bildet eine Sonderverwaltungszone der VR China. Macau schaffte es bisher nie aus dem Schatten des grossen Bruders Hong Kong herauszutreten - die Stadt hat den auch "lediglich" ca. 400'000 Einwohner. Das dürfte sich aber ändern (nicht das letztere, das erstere ;-) - Macau ist das Spielparadies Asiens schlechthin, bereits 2003 wurde in den Casinos der Stadt mehr umgesetzt als in Las Vegas! Eine andere "Spezialität" der Stadt ist das Formel 3 Rennen - dessen wiederum grösserer Bruder der Formel 1 Kurs von Monaco ist. Man darf also gespannt resp. sollte auf Macau gefasst sein, von dieser Stadt wird man in Zukunft bestimmt einiges hören!
Macau ist per Schnellboot von Hong Kong aus innert einer Stunde erreichbar, rund um die Uhr verkehren mindestens stündlich Boote zwischen den beiden Schmelztiegeln europäischer und chinesischer Kulturen. Vorneweg meine persönliche Meinung: wer in Hong Kong ist, sollte auf jeden Fall einen Abstecher nach Macau einplanen, es lohnt sich! Die Hauptsehenswürdigkeiten inkl. Casinobesuch ("nur mit den Augen" geschaut) lassen sich gut während einem (wenns sein muss sogar halben) Tagesbesuch "abklappern", wer aber mehr Zeit zur Verfügung hat, der sollte davon auch etwas mehr in Macau verbringen.
Sämtliche drei "Hauptkulturen" sind deutlich spürbar in der Stadt - die portugiesische v.a. indem praktisch alles (oder gar alles?) auch in Portugiesisch angeschrieben ist, v.a. die Strassen tragen fast allesamt portugiesische Namen. Dann wären da noch die für portugiesische Städte typischen Specksteinpflasterungen der Gassen. Das Gesamterscheinungsbild der Stadt entspricht zwar nicht unbedingt jenem einer portugiesischen Stadt (die Gassen sind zwar eng, die Häuser aber zu hoch und viele wohl auch zu neu, wenn auch renovierungsbedürftig), dafür aber gleicht sie wiederum mehr einer südamerikanischen als einer asiatischen (eben wegen dieser europäischen Einflüsse). Bezahlt wird mit Peseten (Hong Kong Dollars aber sind gleichwertig als Zahlungsmittel einsetzbar), Lisboa, Vasco und Sintra sind als Namensgeber für Hotels etc. gut vertreten. Der englische Einfluss (wohl zurückzuführen auf das nahe Hong Kong) ist v.a. am Linksverkehr und den "Double Yellow Lines" zu erkennen, Englisch als dritte Sprache (resp. zweite Sprache in China, wenn überhaupt eine solche) sowieso selbstverständlich. Die Chinesen sind natürlich auch vertreten, in Schrift, Sprache und v.a. der Bevölkerung - die "portugiesische" Minderheit mache ca. 5% aus (inkl. Mischlingen), so der Reiseführer. Und auch hier hat es enorm viele Leute, wie in Hong Kong oder in China, man ist nie allein, überall wimmelt es von Menschen, ein riesiges Bienenhaus. Alles in allem dürfte Macau in seiner Art wohl einzig sein - und lässt manchen Europäer sich ein wenig näher daheim fühlen als im nahen Hong Kong.
 Alte Burg mit Kanonen |  Strassenschilder

 Casino Lisboa
 Sands Casino |
Hong Kong
Was soll man über Hong Kong noch schreiben? Vielleicht das die "Honkinesen" ihrem rüppelhaften und unfreundlichen Ruf die Ehre erweisen und die Stadt - vom Peak aus betrachtet - irgendwie fasziniert, allerdings aber auch befremdet? - Wohl ein Paradies für "Simsaffen", die Wohnsilos sind oft sehr nahe aneinander gebaut und in ihrer Höhe schwindelerregend. Unglaublich in was für Betonkluften man blickt, in der Nacht wird der Effekt noch um ein Vielfaches verstärkt. Endgültig aus einer andern Welt erscheint einem die Stadt wenn jeweils abends um 20:00 Uhr die Laser- und Gebäudebeleuchtungsshow die Stadt in eine Art riesige Disco verwandelt. Schnell runter in die Gegend um die "Central" und "Hong Kong" Stations und ins gute alte Tram steigen, das gleicht das eben Erlebte wieder etwas aus :-)
Diese Stadt ist wohl auch einzigartig, die engen Verhältnisse auf Hong Kong Island und auch auf Kowloon, die immer noch sichtbaren Einflüsse der Engländer und die unvergleichliche Skyline. Es sei geplant vor Hong Kong Island einen beträchtlichen Gürtel Land neu "anzulegen", auf dem sollen dann noch mehr Wolkenkratzer entstehen. Wer kann sich beim Anblick dieser Beton- und Stahlkolosse vorstellen dass noch in den 60iger Jahren die meisten Gebäude lediglich bis zu 5 Stockwerke massen? Von Peking her kommend bleiben nur wenige Dinge die selben: die gewaltigen Menschenmassen die durch die Strassen und U-Bahnen wälzen, die Übermacht der Asiaten und die dominierende Präsenz chinesischer Schriftzeichen. Neu ist v.a. das (wohl von europäischer Hand geplante und eingeführte) überaus effiziente und flächendeckende U-Bahn System, man wird als Europäer nicht mehr angestarrt und beobachtet, die Strassen weisen pro Fahrtrichtung neu nur noch maximal 3 Spuren auf (nicht mehr bis ca. deren 8), die Strassen schmiegen sich eng an die Häuserfassaden (was von einem bereits etwas älteren Städtegrundriss zeugt, in China wurde in den letzten 50 Jahren ja vieles radikal dem Erdboden gleichgemacht und neugebaut), es gibt Lichtsignale für Fussgänger, Linksverkehr und "Look Right" Lettern am Boden (den Engländern sei Dank...), Verkehrsregeln die (einigermassen) berücksichtigt werden, nicht zensiertes Internet (juhui, die heiss geliebte Wikipedia funktioniert wieder ohne Proxy!), Pints (zwar auch englisch, aber immerhin), des öftern Messer und Gabel zum Essen.
Neu sind nicht mehr nur die Einkaufszentren klimatisiert, nun sind durchgehend auch Taxis, U-Bahnen, Restaurants und Hafenrundfahrtsschiffe runtergekühlt. Auch die Preise sind nun wieder etwas westlicher. Mit der Ressource "Mensch" geht man in Hong Kong anscheinend auch "etwas" sparsamer um (in den Restaurants herrschen aber immer noch nahezu chinesische Verhältnisse). Wo in Peking die U-Bahnticket-Kauf-Maschinen und die U-Bahnticket-Entwertungs-Maschinen (ja, das ist nicht die selbe!) aus Fleisch und Blut sind, regiert in Hong Kong die "Octopus" Karte. Eine überaus geniale Sache, gegen 50.- HKD Depot kriegt man die Karte mit der man nicht nur beliebig auf dem U-Bahn, Bus- und Tramnetz fahren kann (bezahlt wird mit dem auf der Karte gespeicherten Guthaben indem man diese kurz gegen einen Leser hält), nein, damit lässt sich auch der Einkauf oder sonstwas erledigen! Im Prinzip ist Octopus der konsequent durchgesetzte Nachfolger unserer guten alten, leider aber etwas "verschupften" Cashkarte.
Nicht vergessen darf ich hier noch den "Sound" der kantonesischen Sprache - dieser unterscheidet sich gegenüber den Dialekten in und um Peking ziemlich stark (Experten mögen meine laienhaften Bemerkungen verzeihen), während in Peking - nur während einem Döszustand notabene - das dortige Chinesisch phasenweise nicht ganz unähnlich wie Schweizerdeutsch klingt (ja!), tönt das Kantonesische nun doch recht abgefahren anders. Punkto Einkaufsparadies: dem ist sicher so, ich habe diesem Umstand allerdings nicht so sehr auf den Zahn gefühlt (das sei Vertretern des andern Geschlechts überlassen ;-), eins aber kann ich unterschreiben: wer IT- und Fotoartikel kaufen möchte, der findet in Hong Kong bestimmt was er sucht! Zwar sind sie uns nicht voraus (wir haben nix gefunden was es bei uns nicht auch geben würde), man kriegt aber so ziemlich alles aktuelle und bewährte - und das (wenn man über genügend Verhandlungsgeschick mitbringt) - zu äusserst interessanten Preisen.
Neu war (für mich) in Hong Kong die Taifun Gefahr, just am Tag der Abreise war der erste dieser Art (der neuen "Saison") auf dem Weg nach Hong Kong. Zum Glück aber ging das Auge des ungemütlichen Lüftchens nicht über Downtown Hong Kong an Land, die Stadt wurde lediglich gestreift - was immerhin aber ca. 2 Tage im Voraus Wolken und 1 Tag im Voraus recht ergiebige Niederschläge mit sich brachte. Aber eben, Schwein gehabt, dem Abflug in Richtung Neuseeland stand nichts im Wege ;-)
|  IFC Two

 Ausm Hotelzimmer |
Hilar Lütolf, Auckland, 20.5.2006 | Permalink
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| Kommentare
Kommentar von Cliff am 6.6.2006: hatte auch keinen Plan von Macau, aber würde ich gerne besuchen - Hong Kong wiederum ist wohl nicht mehr nach meinem Geschmack...
Weiterhin schönes Reisen! |
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