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Peking

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Schon sind die ersten Tage vorüber, ich bin hier in Peking gut angekommen und hab meinen Jetlag nun wohl überwunden. Als Erstes dann mit dem Taxi vom Flughafen in die Stadt rein, in Peking wird man schnell daran erinnert dass man nun tatsächlich an einem ganz andern Ort ist, die Fahrweise der Chinesen ist unserer nicht gerade ähnlich - Chaos und Anarchie herrschen vor, rechts überholen, links überholen, Slalom fahren, hupen (gerne auch auf Vorrat), nahe auffahren, ruckartig Gas geben oder bremsen, drängeln und abdrängen (alles was kleiner ist). Manchmal ergibt es sich dass eine Kreuzung hoffnungslos verstopft ist, dutzende Wagen verkeilen sich zu einem Knäuel der sich so schnell nicht wieder auflöst, von allen Seiten rücken weitere Autos/Kleinlaster/Busse nach und verdichten die Situation mehr und mehr. Bis der erste einen echten Versuch startet die Lage zu entschärfen vergeht eine Weile, die Chinesen ordnen ihr eigenes Interesse, zumindest auf der Strasse, nicht gerne dem der Allgemeinheit unter, wenn immer möglich wird vorwärts gefahren.

Die (scheinbare) Gleichgültigkeit der Chinesen ist nicht nur im Verkehr auszumachen, beim Einsatz von Ressourcen gehen sie mitunter recht verschwenderisch um. Momentan soll in Peking die grösste Dürre der letzten 50 Jahre herrschen, trotzdem aber werden weiter Autos gewaschen und Strassen mit Wasser gereinigt, Bäume gefällt (was dann u.a. in Sandstürmen gipfelt) und riesige Einkaufscentren auf (im Vergleich zur Aussentemperatur) arktische Temperaturen gekühlt. Zudem ist wohl jede hinterletzte Wohnung mit einer Klimaanlage ausgestattet. Steht man im Stau, werden die Motoren nicht abgeschaltet.

Es habe sich viel geändert in Peking seit meinem letzten Besuch vor vier Jahren, meint Roman, ich sehe allerdings nicht so riesige Unterschiede, Peking ist immer noch der selbe Megamolloch mit extrem vielen Menschen und breiten (verstopften) Strassen. Beim zweiten Hinschauen aber haben sich doch ein paar Details verändert. So hats z.B. mehr U-Bahnlinien (früher drei, heute bereits fünf oder sechs), bis Olympia sollens noch mehr werden - bleibt die Hoffnung dass diese Linien dann etwas mehr vom Verkehr schlucken mögen. Aber wohl kaum, die U-Bahn ist jetzt schon am Limit. Und was dazukommt: die Chinesen lieben ihre Autos, das ist momentan das Statussymbol schlechthin des kleinen aufstrebenden Mannes, man steht hier lieber im Stau als in der U-Bahn. Auch das gute alte Velo scheint dieser Tendenz zum Opfer zu fallen, es hat heute deutlich weniger Drahtesel auf den Strassen Pekings als noch vor vier Jahren. Des weitern hab ich irgendwie das Gefühl dass sich die Leute bunter kleiden, in meiner Erinnerung dominierte eine grau-braune-blaue Farbe. Auch dürften seither diverse Hutong Viertel der Abrissbirne zum Opfer gefallen sein - Peking verliert mit den Hutongs mehr und mehr an Charme, meist werden anstelle der gemütlichen Gassen anonyme Wohn- oder Geschäftssilos hochgezogen, die schönen Alleen müssen weiteren Strassenspuren Platz machen.

Die verbliebenen Hutongs dafür laden zum Schlendern und Verweilen, ab und zu setzen wir uns in einer dieser Gassen vor einen Kiosk, trinken ein Bier und halten ab und zu ein Schwätzchen mit Einheimischen (jeweils in ihrer typischen Hockstellung). Peking ist ein Paradies für Viel- und Gernesser, die Vielseitigkeiten der verschiedenen chinesischen Küchen sind in der Hauptstadt in all ihren Facetten vertreten, man würde wohl jeden Tag ein neues Restaurant entdecken. Speis und Trank sind günstig, eine Flasche Bier (ca. 6 dl) kostet um die 20 Rappen, ein Gin Tonic 1.50, ein ordentliches Mahl gibts ab 10.- für zwei Personen.

Peking ist eine für Touristen ungefährliche Stadt, man kann sich überall frei bewegen und muss nicht jederzeit auf einen Überfall oder dergleichen gefasst sein. Oftmals wird man etwas angestarrt, manch Einheimischer hat noch nicht viele Ausländer zu Gesicht bekommen. Als solcher ist man hier deutlich in der Unterzahl, es können ganze Tage vergehen bis man ein westliches Gesicht vor die Augen kriegt - ausser in den Bars, da dominieren die "Langnasen". Die Chinesen sind sehr freundlich - oder korrekt -, sie akzeptieren die Ausländer und - wenn sie merken dass man ihrer Sprache mächtig ist - unterhalten sich gerne etwas und sind auch um einen Spass nicht verlegen. Leider aber hat man ohne Chinesisch Kenntnisse hier grosse Probleme mit den Leuten in Kontakt zu kommen, die meisten Chinesen sprechen nur Ihre Sprache - vor vier Jahren war ich sogar mal gescheitert in einem Mc Donalds einen Mc Chicken zu bestellen... ;-)

Gegen Ende der Woche verlassen wir Peking und gehen in die Provinz Shanxi - ich bin gespannt wie das ländliche China ist. Peking ist schon sehr speziell, wenn streckenweise doch auch schon recht westlich und die Leute im Verhältnis recht gut an Ausländer gewöhnt :-)

Hilar Lütolf, Peking, 5.5.2006 | Permalink

Kommentare

Kommentar von Alexandra und Michi am 10.5.2006:
Viel Spass in China und Grüsse an Roman! Deine Reiseberichte lesen sich super und sind sehr spannend! Liebe Grüsse

Kommentar von Rolf am 18.5.2006:
Hmm, da muss ich auch wiedermal hin. Wann hat sich wohl Roman von den Strapazen mit Dir erholt? ;-) Gruss aus Suedafrika

Kommentar von Hilar am 19.5.2006:
Hey, was für Strapazen? :-) Wie gehts eigentlich dir so bei den Burren und Co.? Schon mal so richtig ausgeraubt worden? ;-)

Kommentar von Roman am 5.6.2006:
Naja, die Hutongs innerhalb des zweiten Rings stehen mittlerweile unter Denmalschutz, die werden hoechstens renoviert. Falls es dir nicht aufgefallen ist, wurden auch die alten Taxis und Busse ausgewechselt, seit einer Woche kostet eine Taxifahrt pro Kilometer neu 2,0 Yuan, hast also noch Glueck gehabt. Und die gute alte suedliche Kneipenstrasse ist auch weg! Bemerkung am Rande, was die Autos betrifft: heute 5. Juni 2006 ist der erste freiwillige autofreie Tag in Beijing!!! Die Strassen sind unglaublich leer, haette nicht gedacht, dass das jemand ernst nimmt ... Aber es geschehen halt noch Zeichen und Wunder ...

Kommentar von Hilar am 9.6.2006:
Danke für die Ergänzungen! Was ich auch noch hätt erwähnen sollen: die Taxifahrer sind nun wohl etwas besser an Touristen gewohnt, immerhin reden sie nicht mehr ohne Erbarmen Chinesisch mit einem :-)

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